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Psychotherapie für Frauen

Frauenspezifische Psychotherapie ist keine eigene Psychotherapeutische Methode, sondern wird geprägt vom Bewusstsein der Psychotherapeutin über ihre eigene weibliche Identität und über das gesellschaftliche Werden von Frauen. Nur das bloße Frausein allein reicht nicht aus für diese Spezialisierung, vielmehr bezieht die Therapeutin durch ihre persönliche Reflexion der gesellschaftlichen Verhältnisse die Position einer differenzierten Parteilichkeit.

Die Psychotherapeutinnen des Institutes für Frauenspezifische Psychotherapie (IFP) arbeiten vor dem Hintergrund ihrer fachlichen Qualifikation in unterschiedlichen psychotherapeutischen Methoden.

Da bei der Frauenspezifischen Therapie dieses spezielle Bewusstsein den Blick auf die Themen bestimmt, ist es in jedem Moment der therapeutischen Beziehung wirksam.

Es ist Aufgabe der Frauenspezifischen Psychotherapeutin, die gesellschaftliche Dimension immer mitzubedenken und Zusammenhänge zwischen inneren Konflikten und gesellschaftlichen Ansprüchen herzustellen und klar zu benennen.

Bei der Frauenspezifischen Psychotherapie richtet sich der Fokus beispielsweise auf folgende Themen:

  • Der weibliche Körper als autoaggressiver Austragungsort verschiedenster Konflikte und die Entwicklung diverser Störungen wie z.B. psychosomatischer Erkrankungen, Essstörungen, Selbstverletzungen, Depressionen, Angststörungen (u.a. durch gelernte Hilflosigkeit).
  • Kritik an der fehlenden Auseinandersetzung mit weiblicher Sexualität und die Thematisierung von weiblicher Lust.
  • Tolerante Betrachtung von vielfältigen Lebens- und Liebesformen.
  • Kritik an einer einseitigen Normierung von weiblichen Verhaltensweisen. So sind etwa Durchsetzungsvermögen und Zielstrebigkeit allgemein keine positiv besetzten Eigenschaften von Frauen, im Gegensatz zu Harmoniestreben.
  • Thematisierung und Enttabuisierung einer strukturellen sexualisierten Gewalt an Frauen und Kindern: Sexueller Missbrauch, Vergewaltigung (auch in Beziehungen, in der Ehe), sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz, sexuelle Übergriffe in der Therapie.
  • Kritik an einer traditionellen Aufspaltung der Lebenswelten Frauenwelt – Familie, Männerwelt – Beruf und Öffentlichkeit. Es geht um das Infragestellen der Hauptverantwortlichkeit von Frauen für die Kindererziehung (halbe/halbe).
  • Armut ist weiblich, Frauen verdienen noch immer ca. 30 % weniger als Männer. Wegen unbezahlter Erziehungszeiten erwartet Frauen ein vorhersehbarer Nachteil in der Pension, und es besteht hohe Armutsgefährdung nach einer Scheidung.
  • Aufwertung von Frauennetzwerken – Frauenfreundschaften, berufliche Lobbies für Frauen; die Beachtung der Mehrgenerationenperspektive (Großmutter, Mutter, Tochter)

Wir verstehen Frauenspezifische Psychotherapie als Instrument und Möglichkeit von Entwicklung und Wachstum. Dadurch finden frauenspezifische Anliegen selbstverständlichen Eingang in die Psychotherapie und Frauen können die eigene Bewertung ihrer Lebenswirklichkeit vornehmen.

Quelle: IFP (Institut für Frauenspezifische Psychotherapie Wien)